Ich sags euch, das war vielleicht ein Samstag. Wenn mir jemand gesagt hätte, dass dieser Tag noch gut enden wird, hätte ich es nicht geglaubt. Mir ist da nämlich etwas passiert. Etwas das mir noch nie im Leben passiert ist und ich hätte auch nicht gedacht, dass ich jemals in so eine Situation kommen werde. Um 5.50 Uhr wäre es für mich nämlich beruflich für 2 1/2 Tage nach Korsika aufs Clavi on the Rocks Festival gegangen. Auch wenn es ein sehr kurzer Trip war, habe ich mich schon auf ein paar Tage am Meer gefreut. Vor allem weil sich das Programm sehr vielversprechend angehört hat und ich mit einem Kooperationspartner geflogen wäre, mit dem ich schon sehr lange und gerne zusammenarbeite. Doch wie das Leben halt so spielt, ist alles ein bisschen anders gekommen. Anstatt um 5:20 Uhr am Gate zu sitzen und aufs Boarding zu warten, bin ich einfach mal komplett verwirrt in meinem Bett aufgewacht. Meine ersten Gedanken, wieso ist es hell? Wie spät ist es? Was ist passiert?




Ja ich habe verschlafen und nein nicht nur 10 oder 20 Minuten, so dass man sich einfach nur beeilen muss. Nein ich habe gleich ganze 2 Stunden verschlafen. Die Chancen, dass ich diesen Flieger noch erwische, waren gleich 0. In 20 Minuten zum Flughafen, unmöglich. Also musste ich sofort meine Ansprechperson verständigen, was mir unheimlich unangenehm war. Ich muss zugeben, im ersten Moment wusste ich auch nicht so recht was ich tun soll. Ich war einfach nur komplett durch den Wind und konnte es mir einfach nicht erklären, wie ich 5 Wecker und 6 Anrufe von meinem Taxifahrer nicht hören konnte. Das Handy lag in unmittelbarer Nähe, aber soweit entfernt, dass ich aufstehen muss um es abzudrehen. Es war wie verhext und hat einige Stunden gedauert bis ich erst mal gecheckt habe, dass ich wirklich zum ersten Mal im Leben einen Flieger verpasst habe. Normalerweise habe ich einen sehr leichten Schlaf wenn ich verreise, weil die Angst zu Verschlafen einfach zu groß ist. Ich wache ganz oft auch kurz vorm Wecker auf, doch dieses Mal war alles andere. Ich war wie im Koma. Erst bin ich einfach nur zwei Stunden starr im Bett gesessen und wusste nicht so recht wohin mit mir. Wenn es eine private Reise gewesen wäre, hätte ich mich auch geärgert, aber da es beruflicher Natur war, fand ich es noch viel schlimmer – es war mir extrem unangenehm und das obwohl meine Ansprechperson unheimlich locker reagiert hat. Es wurde sofort gecheckt, ob es nicht doch irgendwie eine Möglichkeit gäbe, nach Korsika zu kommen. Doch Calvi, bzw. Korsika ist nicht gerade die einfachste Destination und somit hatte ich diesen Trip eigentlich schon abgeschrieben. Als ich dann auch noch mein Frühstück auf meinem Terrasseboden verteilt und mir mit meiner schweren Kamera inkl. Stativ die Zehen blutig geschlagen habe, war der Tag für mich gelaufen. Nach einem kurzen Heulkrampf, bin ich in mein Bett gehumpelt und habe mich einfach nur unter meiner Decke verkrochen – da bin ich sicher. Hier kann mir hoffentlich nichts passieren und wenn ich schnell einfach die Augen zu machen, wird der Tag schon bald vorbei sein. Ich glaube das war so der Moment in dem ich realisiert habe, dass ich wirklich einen Flieger verpasst habe und ich wusste nicht so recht ob ich lachen oder weinen soll. Klar, das kann jedem Mal passieren, aber trotzdem hatte ich ein unglaublich schlechtes Gewissen. Was wird nur mein Kooperationspartner von mir denken, wie kann ich das wieder gut machen.

Ja und dann kam sie, eine Nachricht die alles wieder ein bisschen besser gemacht hat. “Nina wir haben einen Flug für dich gefunden. Du könntest heute Abend da sein. Wir freuen uns.”  Ich kann euch gar nicht sagen wie erleichtert ich war. Es wurden alle Hebel in Bewegung gesetzt, dass ich es doch noch nach Korsika schaffe. Zwar nur für einen Tag und ich musste umsteigen, aber das wurde natürlich in Kauf genommen. Also wurde alles schnell wieder in den Koffer geworfen und ein Taxi gerufen. 2 1/2 Stunden vor Abflug stand ich am Flughafen, denn nochmal soll mir das auf keinen Fall passieren. Nach einem chaotischen Tag und einer langen Anreise habe ich es also doch noch nach Calvi geschafft. Ich muss sagen es hat noch ein bisschen gedauert bis ich wirklich angekommen bin, denn der Schock saß tief und der Tag hat einfach seine Spuren hinterlassen. Wieso auch immer, aber im Auto am Weg zum Abendessen war ich mal wieder den Tränen nah. Doch ich habe tief durchgeatmet und versucht alles ein bisschen auszublenden. Jetzt nachdem ich eine Nacht geschlafen habe, fühle ich mich schon wieder viel besser. Nun sitze ich hier in einer richtig schönen Villa und warte auf das Frühstück. Ein langer und aufregender Tag liegt vor mir, aber was ich hier alles mache, verrate ich euch ein anderes Mal.

Eigentlich wollte ich euch ja noch ein bisschen erzählen, was ich in den letzten Wochen so erlebt habe und was bei mir sonst noch so alles ansteht, aber ich glaube diese Story reicht für heute und ich hebe mir den Rest für einen anderen Beitrag auf. Wie ihr sehen könnt läuft auch bei mir nicht immer alles so wie ich es mir vorstelle. Jeder hat diese Tage wo man sich am liebsten nur im Bett verkriechen und erst wieder rauskommen möchte wenn alles vorbei ist. Doch wenn man positiv denkt und sich nicht unterkriegen lässt, wird doch irgendwie alles gut. In diesem Sinne wünsche ich euch einen wunderschönen Sonntag.