Hat man als Blogger auch ein Privatleben?

„Sag mal Nina, du siehst so einsam aus. Man sieht in deinen Stories immer nur dich und Tobi. Gehts dir gut? 

Vor einigen Wochen erreichte mich diese Nachricht und auch wenn es nur eine von vielen dieser Art ist, war ich dieses Mal irgendwie sprachlos. Ja ich bin Bloggerin, stehe in der Öffentlichkeit, ihr wisst was ich zum Frühstück hatte, wo meine nächste Reise hingeht und ich erzähle euch auch mal wenn es mir nicht ganz so gut geht. Doch eigentlich kennt ihr mich nicht. Versteht mich nicht falsch, ich bin unheimlich gern Bloggerin und teile Dinge aus meinem Alltag mit euch, doch vielen Leuten ist offenbar nicht bewusst, dass es sich hierbei nur um Ausschnitte handelt.

In meinem Beruf, verschwimmen die Grenzen zwischen privat und beruflich extrem und man muss sich hier auch Gedanken machen, was man teilen möchte und was nicht. Am Anfang meiner „Blogger Karriere“ vor über 7 Jahren habe ich sicher noch ganz andere Dinge veröffentlicht und nicht so viel darüber nachgedacht. Das hat sich aber über die Jahre doch ziemlich geändert. Ist das wirklich für die Öffentlichkeit bestimmt, oder handelt es sich um ein Thema das ich lieber für mich behalte?

Glauben Menschen wirklich ich teile alles aus meinem Privatleben? Und dass Berries & Passion 1 zu 1 mein Leben widerspiegelt?

Auf meinem Instagram Account und auch hier sieht man viele Dinge aus meinem Alltag und ich finde es auch unheimlich schön, wenn ich meine Leser mit meinen persönlichen Texten motivieren, bzw. zeigen kann, dass ich auch nur ein normaler Mensch bin. Doch nur weil ich viel im Internet preisgebe glauben so einige mich wirklich zu kennen. Man ist eine Art Online-Freundin. Der man sich öffnet, der man intime Fragen stellen und dem man auch sagen kann was sie anders machen soll.

Täglich erreichen mich viele Fragen und dieser Text, soll euch jetzt auch nicht davon abhalten mir zu schreiben. Nein überhaupt nicht. Ich tausche mich echt gerne mit euch aus und freue mich wirklich über jede Online-Unterhaltung. Ich finde es grandios, wenn ich persönliche Themen anspreche und ihr mir eure Sichtweise erzählt oder auch einfach mal nur schreibt, danke jetzt weiß ich dass ich nicht alleine bin. Doch es sind auch immer wieder sehr persönliche Fragen dabei und ich frage mich dann, ob die Person wirklich nachgedacht hat, wem sie das jetzt schreibt. Sind das nicht Themen die man lieber mit der Familie oder Freunden bespricht, als mit einer „Fremden“?

Mir fällt es dann in vielen Situationen auch gar nicht so leicht Antworten zu finden, denn ich bin keine Psychologin, Lebensberaterin oder kenne den Absender der Nachricht persönlich. Auch ich hab nicht auf alles eine Antwort und obwohl ich versuch wirklich jedem zurückzuschreiben, habe ich im letzten Jahr noch mehr meine Grenzen gezogen, denn wenn ich mich mit jeder Nachricht intensiv beschäftigen würde, müsste der Tag mehr als nur 24 Stunden haben.

Wieso bist du denn so oft in Salzburg? Was verdienst du eigentlich so mit dem Bloggen? Wieso ist deine letzte Beziehung auseinander gegangen? Ich find dich cool, möchtest du dich nicht vielleicht auf einen Kaffee treffen? Wieso bist du denn immer alleine?

Nein ich bin nicht immer allein, doch vielleicht möchte ich gewisse Dinge einfach privat halten. Ich habe auch ein Leben abseits von Instagram, Blog & Co, und das soll auch so bleiben. Nur weil man eine Person des öffentlichen Lebens ist, heißt das noch lange nicht, dass man alles preisgeben muss.

Ich freu mich riesig wenn man mich anspricht und mit mir plaudert, denn ja ihr wisst einiges von mir und so entstehen auch mal schnell nette Unterhaltungen. Doch vielen Leuten fällt es hier einfach schwer zu differenzieren. Ihr kennt mich als Nina von Berries & Passion, aber die private Nina kennt ihr nicht.
Ich bin gerne diese „Online Freundin“ die Tipps gibt, persönliche Erfahrungen teilt, über ihre Reisen berichtet, sich mit euch austauscht und versucht euch mit meinen Inhalten zu motivieren & inspirieren. Doch ich bin nicht im echten Leben eure Freundin und bitte vergesst nicht auch ich habe mein Privatleben und möchte gewisse Dinge für mich behalten. Ja und wenn ihr mir mal etwas schreibt und keine Antwort bekommt, dann ist es nicht weil ich keine Lust habe euch zurückzuschreiben, sondern vielleicht einfach weil es Dinge sind die ich nicht teilen möchte.

Shirtkleid – Asos (ähnliches HIER) || Hemd – H&M (alt, ähnliches hier) || Hut – Lack of color || Schuhe – Vans || Rucksack – Whistles (ähnliche HIER) || Sonnenbrille – Rayban

9 Kommentare

  1. 27/06/2019 / 11:12 PM

    Das war meine „noch-schnell-am-Klo-ins-Handy-schauen-und-dann-gute-Nacht“-Lektüre.
    Und ich möchte mal sagen, dass ich fast nie Blogs lese, aber mich auf Instagram die Story dazu sehr angesprochen hat. Find‘s echt gut, dass man da auch mal öffentlich differenziert!
    Man sollte schon bedenken, dass das Internet zu 70% Fiktion ist und man sich darstellen kann wie man möchte – sich wenn man so sagen will – seine „Person“ bis zu einem gewissen Grad formen kann. Man ist nicht 100:1 die Person die man „ist“ – ganz wichtig da aufzuklären! Toller Beitrag :-)

  2. Helga
    28/06/2019 / 8:06 AM

    Ich komme ja aus einer anderen Generation , aber ich verstehe schon, dass man das manchmal vermischt ! Man sieht die schönen Bilder , den meist glücklichen Menschen ! Schaut pausenlos instastories und vergisst auf sein eigenes Leben. Ich weiss und sicher ganz viele auch , was es heißt einsam zu sein, und da fühlt man sich dann noch verbundener. Ich denke wenn es in meiner Jugend das alles schon gegeben hätte, dann hätte ich mir auch eine imaginäre Fb-Freundin gesucht . Man sollte nur nicht vergessen, dass es im echten Leben bissi anders ausschaut. Eigentlich ist es noch besser ! Denn jeder kann so einLeben führen, jeder auf seine Art nur man muss es tun und nicht nur schauen und sich nicht trauen. Ich finde Blogs sehr gut als Ansporn selbst glücklich zu sein. Danke für diesen Beitrag ! Solche Beiträge sind voll wichtig zwischendurch , zum Wachrütteln .
    Ja bin ziemlich stolz auf deinen Werdegang und auch für dein Bewusstsein ❤

  3. Hannes
    28/06/2019 / 8:53 AM

    Hast du schön geschrieben ❤️
    Bin sicher dass es nicht immer ganz leicht ist aber ich find’s gut dass du eine Trennlinie ziehst zwischen privatem und öffentlichem Leben
    😘

  4. Anna
    28/06/2019 / 2:41 PM

    Hallo, hm da schwingt für mich immer eine gewisse ambivalenz mit. Als Follower hab ich das Gefühl sehr nah an der Person dran zu sein, weil man Ausschnitte aus dem Alltag und auch Situationen zu sehen bekommt, die einem dieses Gefühl geben, zb in der früh im Pyjama oder verschwitzt nach dem Sport oder so. Oft werden auch Gefühle mit den Followern geteilt und jemand berichtet, dass es ihm nicht gut geht. Die Follower liefern dann Unterstützung und Zuspruch und die influencerin bedankt sich dann dafür, dass ihre Zuschauer für sie da waren. Und zugleich kommt dann, wenn man persönliche Dinge fragt, sowas wie „ich hab ein Privatleben und das bleibt auch privat“.
    Es ist voll ok, dass man auf seine Privatsphäre besteht, trotzdem ist das eben in sich etwas widersprüchlich.
    Sicherlich ist das ein sehr vielschichtiges Thema. Ich fühl mich oft wie eine Beobachterin – ganz komisch- aber als influencer will man ja permanent beobachtet werden und man lebt davon. Das wirft viele Konflikte auf.

    • Karla
      02/07/2019 / 3:25 PM

      danke für den beitrag ungefähr so ähnlich wollte ich es auch schreiben. wenn wir nur die nina von berries & passion kennen aber nicht die private nina wer ist dann die nina von berries & passion?

      • Laura Müllerq
        03/07/2019 / 3:22 PM

        genau das habe ich auch gedacht. Es ist halt immer die Frage wo soll denn eigentlich die Grenze gezogen werden? Influencer leben ja gerade von ihrer Nähe zum Follower und der Authentizität. Natürlich ist es eine persönliche Entscheidung etwas zu teilen, aber wenn man die Leute so mitnimmt, sie an seinem Leben (anscheinend) beteiligt, ist es ja nicht unbedingt verwunderlich dass bestimmte Dinge hinterfragt werden. Vor allem wenn es um Instagram Stories geht, die meiner Ansicht nach viel persönlicher (wirken?) als einzelne Bilder auf dem Feed. Ich kann den Hintergrund und den Wunsch nach Privatsphäre komplett nachvollziehen aber es ist tatsächlich ein sehr schwieriges Thema.

      • Nina
        Autor
        17/07/2019 / 6:01 PM

        Hallo Karla,

        danke für dein Kommentar. Ich habe ja nicht gesagt dass die nina von berries & Passion nicht die echte private Nina ist, aber man darf halt trotzdem nicht vergessen, dass ich auf meinen Kanälen nicht alles preisgebe und das nur ein Ausschnitt von meinem Leben ist ;)

    • Sara
      05/07/2019 / 2:28 PM

      Ich bin deiner Meinung, Anna. Die Beziehung zwischen Influencern und ihren „Fans“ bzw. Followern ist einseitig und basiert nicht auf Augenhöhe. Einerseits verdienen die Influencer durch ihre Follower Geld und geben dafür sehr viel preis, andererseits wollen Influencer auch Privatsphäre. Ich kann beide Seiten nachvollziehen. Auf lange Sicht wird sich diese Verkaufs-Beziehung hoffentlich nicht durchsetzen.

      Meine sehr persönliche Meinung ist, dass diese Beziehung toxisch ist. Es verschwimmen die Grenzen zwischen Privat- und Geschäftsleben, zwischen tiefer Ehrlichkeit und PR-Authentizität. Diese Verkaufsstrategie sollte uns als Gesellschaft zum Nachdenken bringen. Wollen wir wirklich unserer Gesicht für eine bestimmte Marke hergeben? Wollen wir uns mit einem Getränk im Wohnzimmer fotografieren, das wir gar nicht trinken? Wollen wir auf einen Berg gehen, damit man uns in dieser Jacke fotografiert und der Werbedeal mit XY eingehalten wurde?

      • Nina
        Autor
        17/07/2019 / 6:06 PM

        Hallo Sara,
        danke für dieses Kommentar. Ich gebe dir da Recht, dass die Grenzen sehr verschwimmen und ich teile auch sehr gerne persönliche Dinge, wenn ich damit andere Menschen inspirieren und motivieren kann, ABER ich finde man muss halt auch akzeptieren wenn man gewisse Dinge für sich behalten möchte :)
        und zu dem Thema mit den Kooperationen, das ist halt ein sehr schwieriges Thema, weil es halt solche und solche Blogger/Influencer gibt. Ich für meinen Teil würde nie Kooperationen annehmen hinter denen ich nicht stehe. Ich bekomme unglaublich viele Mails am Tag und wenn man so schaut was ich alles absag, sind es sicher nur höchstens 20% die ich zusage, weil ich dahinter stehe.

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